Über Kundenkarten und Kundenbindung

Wenns wo was billiger gibt, dann laufen d'Leid hin! Und bei gratis Angeboten sowieso! Da ist es natürlich aus Firmensicht verständlich, dass man seine Kunden genau mit diesen Strategien abholen möchte: Man drückt ihnen eine Kundenkarte in die Hand und verspricht seinen Kunden fette Rabatte. Einfach Karte herzeigen, in den elitären Vorteilsklub eintreten, Friend der Marke werden, oder "Umbau-Treuebonus" bei der Apotheke ums Eck kassieren. Egal wie die jeweiligen Programme der einzelnen Firmen heißen - es steckt immer das gleiche Kalkül dahinter: Ausforschen, was den Leuten gefällt und verhindern, dass Kunden womöglich woanders einkaufen könnten.

Über Kundenkarten

Es mag vielleicht sein, dass ich in letzter Zeit zu viel Düringer gelesen habe, bzw. über "Zwänge" nachgedacht habe. Aber sein wir uns mal ehrlich: Es nervt! Es nervt einfach, dauernd darüber nachdenken zu müssen, wo ich etwas um 20 Cent günstiger bekommen kann, wo ich 10 mal einkaufen muss, damit ich ein Gratis Brot bekomme oder mir eine Zeitschrift gratis mitnehmen kann. Und es nervt, wenn man diese Karten überall hin mitschleppen muss! Man sucht sich Geldbörsen, in die man extra viele Plastikkarten stecken kann. All das - wofür? Für 20 Cent Ersparnis? Come on!

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Firmen dann doch recht schnell eingeschnappt, bzw. peinlich berührt sein können, wenn man das "kluge System" dann mal für sich ausnutzen möchte. Die Initiative "No Card", die es ermöglicht, bei Filialen der Rewe-Gruppe ohne eigener Mitgliedskarte einkaufen zu können, war die letzten Tage in allen Medien. "Oh, das ist doch nicht erlaubt.", "Oh, das ist aber blöd, ihr könnt echten Kunden ihre Rabatte wegnehmen.", "Oh, das ist aber blöd, jetzt haben auch noch zwei Studenten innerhalb weniger Minuten Zugriff auf Kundendaten erlangt." All das - wofür? Für 20 Cent Ersparnis? Come on!

Weil mich das System nervt und ich keinen nennenswerten Vorteil für mich in der Vergangenheit ausmachen konnte, habe ich daher letzte Woche beschlossen alle Kundenkarten zurückzugeben, bzw. die Firmen zu veranlassen meine Daten zu löschen. Gesagt getan: Einige Stunden/Mails/Bestätigungen später konnte ich dann alle Plastikkarten (bis auf Bankomatkarte & Car2Go-Mitgliedsausweis*) wegwerfen. All das - wofür? Für ein befreiendes Erlebnis, um ein Statement zu setzen und ein wenig "gegen den Strom zu schwimmen"!

Über Kundenbindung im Internet

Natürlich ist es nicht nur hip, dass man Kunden durch attraktive Prämiensysteme an sich bindet, nein: Heutzutage gehört es auch zum guten Ton, dass man in sozialen Netzwerken gezielt nach "Brand Ambassadoren" sucht und diese auch findet. Hat man Kunden erst mal auf Facebook, Twitter oder Instagram für sich gewonnen, produzieren diese massig positiver Inhalte für sehr wenig Geld/Einsatz.

Keine Frage: Es gibt Firmen, die ihre Anliegen sinnvoll dosieren. Die bereit sind über den Tellerrand zu schauen um aus dem Alltagsbrei herauszustechen. Denen man ihre Aktivitäten abkauft. Aber durch einige negative Erlebnisse bin ich in den letzten Wochen sehr skeptisch geworden: Es verwundert mich nicht nur die Vorgehensweise der Firmen, sondern auch die (Neu-)gier der User. Wie weit möchte man für eine kostenlose Probe eines 3-Euro Produkts gehen? Wie viele Tweets, wie viele Blog Posts, wieviel "Noise" ist man bereit für diese 3-Euro zu opfern? Anscheinend, für meine Begriffe, unverhältnismäßig, viel. Wäre es nicht viel einfacher, einfach selbst diese 3-Euro in die Hand zu nehmen, um sich das beschriebene Produkt im Supermarkt zu holen? Ohne der vielen Verpflichtungen, die man hier eingeht und ohne die komplette Adresse an Firmen verraten zu müssen? Hier fällt mir das alte Sprichwort ein: "Man ist, was man isst". Bzw leicht adaptiert: "Man bekommt, was man braucht".

Ein Experiment

Um Personen zeigen zu können, worauf sie sich tatsächlich einlassen, habe ich folgenden Tweet abgeschickt:

Ich bin gespannt, ob sich Personen finden, die an dem Test des innovativen Produkts "3 x 1 EUR Münze" teilnehmen möchten. Ich halte euch diesbezüglich am laufenden.

Über Sättigung, die 68er Generation, eigene Gemüsebeete und das einfache Leben

Es nervt! Der Einkaufswahn vor Weihnachten, Millionen unnötiger Produkte und eine fehlende Nachhaltigkeit: Konsum in seiner heutigen Form ist etwas, was mir zusehends aufstößt. Ich kann mich damit nicht identifizieren. Die Sättigung ist teilweise so groß, dass ich mich einfach ausklinken möchte. Dabei denke ich öfter an Verwandte und Bekannte, die das Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten und viele Dinge ganz anders kennen - weil sie ein wenig älter sind als ich: Sie kennen keine übergroßen Supermärkte, sie zerbrechen sich nicht über Kundenkarten oder Rabatte den Kopf. Sie überlegen, welches Gemüse sie im eigenen Beet anbauen möchten. Sie betreuen ihr eigenes Essen, anstatt fremde Produkte, scheinheilig, in den Himmel zu loben. Auch wenn es veraltet klingen mag, ist es nicht die viel klügere Sicht auf viele Dinge?

All das - wofür? Vielleicht für ein einfacheres, stressfreieres, bewussteres Leben. Oder, was meint ihr?

*) Seht ihr, ich bin ja insgeheim auch ein Brand Ambassador der Sonderklasse!