1096 Tage Social Software Development

Vor einem Jahr war es soweit. Das zweite Jahr, sprich 731 Tage Social Software Development bei den Socialisten waren vorbei. Und man glaubt es kaum: Jetzt ist schon wieder was passiert - nämlich wieder ein Jahr vergangen! Zeit, auch dieses Revue passieren zu lassen. Ein Zwischenbericht.

Die externen Umstände

Ich rede mir immer ein, nicht abergläubisch zu sein. Aber vor einigen Monaten musste ich etwas feststellen, das man schon auch irgendwie "abergläubisch" hinterfragen könnte: Bei jeder einzelnen Firma, bei der ich bisher gearbeitet habe, gab es in der Nähe eine Baustelle (Eine Baustelle …? Ja, so etwas, wo ein Haus umgebaut/neu gebaut oder renoviert wird!). Man mag jetzt darüber philosophieren, dass es sowieso überall immer Baustellen gibt. Aber: Bei jeder einzelnen Firma, bei der ich gekündigt habe, hatte ich es als sehr schade empfunden, nicht dabei sein zu können, wenn diese abgeschlossen wird. Dazu muss man wissen: Ich liebe Veränderung, Erneuerung und Fortschritt. Wenn etwas fertiggestellt wird, halte ich einen Moment inne und genieße das Gefühl, dass ein Punkt, über den ich oft nachdenke, abgehakt ist. Und so kam es, dass ich den Bau einer neuen Garage (pmOne), den Bau eines neuen Vorhofes (Hagenberg Software) und den Bau von Wien Mitte (Die Antwort) nicht bis ans Ende verfolgen konnte.

Als dieses Jahr in der Nähe von Die Socialisten das neue Sans Souci Hotel fertiggestellt und das Nachbarhaus nach knapp 2,5 Jahren von seinem Fassadenschutz befreit wurde, war ich überglücklich: Nicht nur, dass ich einen Job habe, der mir auch noch nach 3 Jahren jeden einzelnen Tag Spaß macht, nein, endlich konnte ich auch miterleben, wie Baustellen abgeschlossen werden konnten. Klingt blöd, war aber ein unheimlicher Motivationsschub für mich. Habe ich schon erwähnt, dass ich Veränderung, Erneuerung und Fortschritt großartig finde? Ja, tu ich!

& … die internen

Meiner Blog-Struktur treu bleibend, möchte ich natürlich auch noch auf die Arbeit an sich eingehen. Denn fad und unabwechslungsreich ist mein Job definitiv auch nicht. Ihr fragt euch, warum? Ich erzähle es euch. Nur einige kleine Cherry picks. No big deal.

Veränderung: Das letzte Jahr war geprägt von Veränderung, ja, in Marketingsprech könnte man von Transformation sprechen. Während sich die Social Software Branche durchs Erwachsen werden kontinuierlich weiterentwickelt, hat sich dadurch auch der Agenturalltag verändert. Bei Die Socialisten steht Qualität im Vordergrund. Qualität erreicht man einerseits durch gute MitarbeiterInnen und andererseits durch strukturierte Abläufe. Beide Aspekte konnten wir in den letzten Monaten forcieren und nochmal einen großen Qualitätssprung machen. Während wir Anfang 2013 auf mobile first setzten und aufwendigere Testing- und Abnahmeverfahren entwickelten, gab es die letzten Monate wieder große Sprünge, die auf die Softwarequalität abzielten: Less (zum Aufwärmen), Vagrant (zum Durchstarten), Sentry (zum Überblicken) und Grunt (zum Optimieren) sind hier stellvertretend nur vier Schlagworte, die ich in keinem zukünftigen Projekt mehr missen möchte.

Hat man 2 Jahre am Stück Kampagnen-Apps umgesetzt, verspürt man Verlangen nach Veränderung. In meinem Fall ergab es sich daher, dass ich nun mehr mein Know-How an einem SAAS-Projekt zum Besten geben kann. Mit der Arbeit an Swat.io hat sich mein Beruf um 180° gedreht.

Erneuerung: Solch ein Wandel von kurzfristigen Kampagnen-Apps hin zu einem langfristigen Commitment in ein Projekt, das stetig erneuert - weil vergrößert - wird ist unheimlich spannend. Ich bin nun plötzlich Teil eines 4-5 köpfigen Teams. In der einen Stunde verfeinere ich das Projekt granular. In der anderen Stunde ändere ich durch einen Change das Projekt grundlegend. In einer weiteren Stunde vergleiche ich Statistiken und merke das rapide Wachstum der Datenmengen. Und in vielen anderen Stunden besprechen wir gemeinsam, wohin wir uns überhaupt entwickeln wollen. Ein Projekt wie Swat.io zu betreuen, bei dem so viel Erneuerung auf so vielen Ebenen gleichzeitig stattfindet, ist für mich sehr erfüllend. Denn hier zeigt sich, wie wichtig vernetztes Denken, rasche Überblicksgewinnung und nachhaltiges, pragmatisches Arbeiten sein können. Dinge, die ich also seit Jahren (Jahrzehnt räusper) versuche zu verfolgen. Deswegen gibt es Freitag nachmittags immer einen kleinen Teil in mir, der sich denkt: Warum ist schon wieder Wochenende? Warum muss die Erneuerung jetzt wieder zwei Tage warten? *)

Fortschritt: Würde man Swat.io mit einem Obstbaum vergleichen, so könnte man sagen: Es ist wunderschön den Baum wachsen und gedeihen zu sehen - und die ersten Früchte des Erfolgs zu kosten. Die Arbeit, sowohl handwerklich (HTML, CSS) als auch geistig (PHP-Architektur, mySQL, API-Logiken) sind oftmals langwierig, beschwerlich und vor allem dreckig! Aber es lohnt sich allemal! Denn beim näheren Hinsehen stellt man fest, dass nicht nur der Baum wächst, sondern vor allem auch man selbst: Ich kann getrost sagen: So viel wie die letzten sechs Monate habe ich noch nie lernen dürfen. Als Dev-Lead kann ich diese Kenntnisse auch oft an Kollegen weitergeben. Awesome!

Die Arbeit macht mich also glücklich. Auch wenn wir oft Probleme haben, die einen Abend oder ein Wochenende verschlingen, kurzfristig die Stimmung trüben oder dazu führen, dass ich aktuell vor jeder erhaltenen SMS (aufgrund des sehr ausgeklügelten SMS-Monitorings für Swat.io) Panik habe: It's definitely worth it.

Damit sich dieser Blogpost wunderschön zu Ende spannt: Vergleicht man Swat.io nicht nur mit einem Obstbaum, sondern auch mit einer Baustelle, so denke ich mir täglich: Ich möchte unbedingt dabei sein dürfen, wenn die Baustelle wächst, Formen annimmt und nachhaltig ihre Umwelt erneuert.

Danke beim gesamten Team für wunderbare 3 Jahre. Ich freu mich auf die nächsten 365 Tage und gemeinsamen Fortschritt!

*) Das liegt hauptsächlich daran, dass es zum Ausgleich nicht nur ein entspanntes Wochenende mit Freundin geben sollte, sondern auch mein Körper spürbar Pausen benötigt. Vor Weihnachten durfte ich die Bekanntschaft mit Streßzähnen machen, die ich mir gerne erspart hätte. Somit gibt es Freitag nachmittags also auch immer einen mindest gleichgroßen Teil in mir, der sagt: Juhu, endlich entspannen, schlafen und Akkus aufladen. Denn der nächste Montag kommt bestimmt!