Teurer als die EU erlaubt: Roaming auch 2012 noch eine Kostenfalle.

Wer heutzutage eine Reise bucht, steht oftmals vor einem Dilemma: Möchte ich mir Internet-Zugang im Ausland leisten oder nicht? Die Politik versucht zwar die Roaming-Gebühren zu reglementieren; undurchsichtige AGB helfen den Mobilfunkanbietern jedoch weiterhin, eine Kostenfalle aufrecht zu erhalten. Ein kleiner Erfahrungsbericht.

Für das letztwöchig stattgefundene Summercamp wollten wir bereits in Österreich Basis-Roaming-Pakete kaufen, weil wir nicht sicher waren, ob wir am Sonntag in Ungarn mobiles Internet auftreiben konnten. Gesagt, getan. Anbieter verglichen und 3 Österreich auserkoren, weil dieser als einziger Anbieter 250 MB für 19 EUR zur Verfügung stellen. Als Internet-affiner Mensch(, der sein Roaming-Paket mit 9 anderen Software Entwicklern teilen muss), ist das extra hierfür angebotene Holiday-Paket mit 30 MB schlichtweg zu klein. Das schöne am Holiday-Paket? Das Paket läuft nach drei Wochen automatisch aus.

Das Schlechte am regulären Roaming-Paket? Man müsste es bereits acht Wochen vor Buchung kündigen, damit man es tatsächlich nur für einen Monat zahlen muss. Das dies in der Praxis wohl nicht funktionieren wird, ist klar. Was also meiner Meinung nach plakativ neben dem "Bestellen"-Button stehen sollte: "Mindestlaufzeit 3 Monate, Mindestkosten 57 EUR". Dann überlegt man sich vermutlich doppelt, ob man um genannten Betrag 250 MB Daten buchen möchte.

Die Situation verschlimmert sich weiterhin, wenn man die monatliche Rechnungsperiode in die Kalkulation mit einberechnet. Diese ist bei mir der 15. jeden Monats. Fährt man nun also von 8.-15. eines Monats auf Urlaub und bucht das Roaming-Paket kurz vor dem 8., erhält man nicht die angegebene Menge von 250 MB, sondern den aliquoten Teil. Wir enden also in meinem Fall nicht mehr bei den beworbenen 0,076 EUR pro MB (19 EUR, 250 MB), sondern bei abgerechneten 0,912 EUR pro MB (Hinweis: 250 MB aufgeteilt auf 4 Wochen bedeutet aliquot 62,5 MB. Mindestkosten des Pakets von 57 EUR)*. Laut RTR liegt der Maximalbetrag für 1 MB Datenroaming seit 1. Juli 2012 bei 0,84 EUR. Somit ein klarer, wenn auch durch die AGB gedeckter, Verstoß seitens 3 Österreich.

Ja, es ist klar: Aktiviert man online das angesprochene Paket, muss man die AGB, in denen der Hinweis auf 12 Wochen Kündigungsfrist enthalten ist, auf jeden Fall akzeptieren. Zusätzlich dazu gibt es auf der Paketseite einen Ausklapptext mit dem Hinweis "Die Pakete sind ohne Mindestvertragsdauer (12 Wochen Kündigungsfrist) erhältlich". Juristen-Deutscher geht es wohl kaum. Damit ist 3 Österreich jedenfalls rechtlich auf der sicheren Seite.

Dennoch frage ich mich:

  • Sollte eine Kostentransparenz nicht im Sinne des Betreibers sein? Ich werde definitiv kein Roaming-Paket mehr buchen und das "Mysterium" Roaming hat sich in den letzten Tagen noch tiefer in meinem Kopf verankert. Nimmt man gezielt verärgerte Kunden in Kauf, nur damit man sie um 36 EUR mehr schröpfen kann? Ich denke, langfristig ist das der falsche Weg - vor allem, wo der Mobilfunkmarkt in Österreich sowieso stark umkämpft ist.
  • Warum können Pakete online gebucht, jedoch nicht storniert werden? Für das Stornieren muss anscheinend auf jeden Fall bei der Hotline angerufen werden. Der Mitarbeiter am Telefon hat mir erklärt, dass er beim Anlegen von Roamingpaketen immer auf die 12-Wochen-Frist hinweist und so etwaige Überraschungen zu verhindern versucht.
  • Warum wird online ebenfalls nicht auf die Rechnungsperioden und die damit stattfindende Aliquotierung nicht hingewiesen? Auch wenn eine Abrechnung zur Rechnungsperiode aus Sicht des Betreibers logisch erscheint, würde ich mir eine kunden-orientierte Herangehensweise wünschen.
  • Wie lang dauert es noch, bis Daten-Roaming tatsächlich sinnvoll (dh ohne Schlupflöcher) reglementiert wird? 
Wer von euch hat ähnliche Erfahrungen (mit anderen Anbietern) gemacht? Bitte um Feedback.

*) Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Natürlich lasse ich hier außer Acht, dass ich 750 MB zur Verfügung hätte. Fährt man jedoch nur genau einmal ins Ausland, bringen mir die, in meinem Fall nicht verwendbaren, 687,5 MB auch nicht viel.

Nachtrag: Anscheinend bin ich nicht der Erste, der mit der aliquoten Abrechnung Probleme hat: Im Futurezone.at Bericht von Anfang Juni wird ein ähnlicher Fall geschildert und darauf hingewiesen, dass 3 Österreich der einzige heimische Anbieter ist, der auf Aliquotierung setzt. (Mein Glück war nur, dass ich das Paket defacto überhaupt nicht verwendet habe und somit keine Zusatzkosten entstanden sind).