car2go im Selbsttest - Teil 1: Anmeldeprozess

Ich bin ein großer Fan des sogenannten Carsharings. Obwohl ich in einer Familie aufgewachsen bin, in der das Auto ein zentrales Thema (Autohändler/-werkstatt) gespielt hat, habe ich bei meinem Umzug nach Wien mein damaliges Auto verkauft. Für mich war ein Auto immer ein Fortbewegungsmittel, das nicht unbedingt mir gehören muss. Daher freut es mich umso mehr, dass in den letzten Jahren das Thema Carsharing immer populärer wird. Grund genug, mir einige Dienste anzusehen. Heute: Das kürzlich gestartete car2go.

Als ich das erste mal von car2go in Wien gehört habe, dachte ich: Der König ist tot. Lang lebe der neue König. Das vor einigen Monaten ins Herz geschlossene Carsharing von Denzeldrive hat einen, für mich, sehr großen Haken: Das Auto muss immer wieder an den Abholort zurückgebracht werden. Das nervt, vor allem, wenn der Abholort weit von der eigenen Wohnung entfernt ist. Und genau dies ist bei car2go anders. Man holt sich ein Auto genau dort ab, wo gerade eines verfügbar ist und retourniert es (innerhalb des sogenannten "Geschäftsgebietes") einfach dort, wo es einem am sinnvollsten erscheint. Also entweder direkt vor der Wohnungstüre oder vor einer U-Bahn-Station, etc.

Heute war es also so weit und ich habe im Shop von car2go meine Mitgliedskarte abgeholt. Mein Erfahrungsbericht fällt zwiespältig aus:

Username/Passwort-Restriktionen:

Bereits vor dem, einmal im Jahr notwendigen, Besuch im car2go Shop habe ich online alle Informationen gelesen, bzw. den Anmeldeprozess gestartet. Und einige Zeit benötigt, um dann genervt aufzugeben. Während ich das Konzept hinter car2go eindeutig mit "Leichtigkeit" und "Einfachheit" assoziiere, ist der Anmeldeprozess genau das Gegenteil davon. 1. werden unheimlich viele Daten benötigt, und 2. geht die deutsche Gründlichkeit deutlich zu weit. Mein Vorab-Online-Anmeldeprozess endete nach gefühlten 20 Minuten, weil keines meiner Passwörter den Mindestanforderungen des Seitenbetreibers entsprach.

Heute im Shop wurde mir freundlich erklärt, dass ich die Anmeldung direkt vor Ort am Computer durchführen müsse, bevor ich eine Mitgliedskarte erhalten könnte. Also versuchte ich mein Glück erneut. Während ein Pärchen gegenüber von mir ob der vielen Felder und den Restriktionen in Username/Passwort Feldern verzweifelte, akzeptierte das System mein Passwort endlich - nach drei Versuchen. Warum ein Passwort à la "WordPress3" gültig ist, jedoch "OpenSourceSoftwareWordPress3" nicht akzeptiert wird, ist mir schleierhaft. Und warum die Kriterien dermaßen exotisch sind, dass ich ein Passwort finden muss, dass ich sonst nirgends verwende (und daher leicht vergessen kann), ist auch äußerst fragwürdig.

[caption id="attachment_235" align="aligncenter" width="428" caption="Kleingedrucktes zum Thema: Passwortrichtlinien"][/caption]

Eingabe der E-Mail-Adresse

Auch der car2go Shop selbst ist sehr einfach aber dennoch stilvoll ausgestattet. Es kommen zwei iMacs zum Einsatz (während die Mitarbeiter Windows-Rechner verwenden müssen). Wer als Normalsterblicher Windows-Benutzer auf der Mac-Tastatur die E-Mail-Adresse eingeben möchte, wird ebenso vor ein (fast) unlösbares Rätsel gestellt. Zum Glück kennt man sich als Informatiker dann doch aus - für etwas ältere, unbedarfte Mac-User ein Albtraum.

Der Abschluss des Anmeldeprozesses

Nachdem man gefühlte 50 Felder ausgefüllt, seine Konto-, Führerschein- und Geburtsdaten angegeben hat, ist es endlich soweit. Der Anmeldeprozess ist abgeschlossen. Zur Bestätigung erhält man einen Code aufs Handy zugeschickt. Damit das Chaos perfekt ist, muss man diesen auf einer Seite angeben, die in einer Bestätigungs-E-Mail verlinkt ist. Hurra!

Während ich am überlegen war, warum ich auf einem öffentlichen Computer in mein Webmail einsteigen sollte, brach beim Gegenüber die Panik aus. Das iPhone des jungen Mannes hatte sich ausgeschalten (Akku leer) und somit die Fertigstellung des Anmeldeprozesses (O-Ton: "Ich dachte, das geht ganz schnell") in weite Ferne gerückt. Die freundlichen Mitarbeiter von car2go konnten jedoch helfen und seine Anmeldung abschließen.

Ich habe den Code dann direkt über mein Handy, auf dem ich den Link in der Mail gefolgt bin, aufgerufen. Einfach sieht jedoch anders aus. Auch hier geht die Gründlichkeit meiner Meinung nach zu weit. Eine Eingabe des zugeschickten Handy-Codes direkt auf der Bestätigungsseite, würde sicherheitstechnisch vollkommen ausreichen (vgl eBanking).

Fazit

Der Anmeldeprozess für car2go ist für meinen Geschmack viel zu langwierig und kompliziert. Vor allem für etwas ältere bzw. technisch un-affine Menschen, ist der Prozess mit vielen Mühen behaftet.

Etwas verwundert war ich auch über die Mitarbeiter. In den 15 Minuten, in denen ich im Shop war, wurden sie zwei mal auf Denzel CarSharing angesprochen. Alle anwesenden Mitarbeiter quitierten Aussagen dazu mit "Über den Mitbewerb kann ich nichts sagen. Denzel Carsharing? Noch nie gehört". Ich würde mir von einem neuen Anbieter am Markt wünschen, dass dieser Konkurrenzprodukte, die sehr ähnlich funktionieren, kennt und die Unterschiede/Gemeinsamkeiten interessierten Kunden erklären kann. Das einfache Abstreiten/Nichtwissen wirkte auf mich sehr provokant.

Die für mich einzigen zwei positiven Aspekte am Anmeldeprozess sind a) ich habe ihn geschafft, b) die vielen Personen, die in den 15 Minuten den Shop betreten haben. Das zeigt, dass Interesse an Carsharing-Modellen auf jeden Fall vorhanden ist.

Ich bin schon sehr auf meine erste Fahrt gespannt und werde an gleicher Stelle wieder über meine Erfahrungen berichten.

Habt ihr schon von car2go gehört, euch angemeldet, oder sogar schon selbst getestet? Ich würde mich über eure Erfahrungsberichte freuen.