365 Tage Social Software Development

Im Dezember 2010 war es soweit. Ich habe eingesehen, dass mein alter Beruf schon lange keine Berufung mehr für mich war und ich die deswegen Konsequenzen ziehen sollte. Nicht nur wegen mir, sondern auch wegen der Kollegen (bzw. guten Freundschaften). Es war also klar, dass ich mit Anfang 2011 meine Selbstständigkeit beenden und mir eine neue Arbeit suchen würde. Jetzt, auf den Tag genau ein Jahr, nachdem ich in der neuen Firma zu arbeiten angefangen habe, blicke ich noch einmal zurück und möchte die wichtigsten positiven/negativen Erfahrungen mit euch teilen. 

Die Zeit "in between", zwischen alten und neuem Job war sehr interessant. Nach 2,5 Jahren in der Selbstständigkeit überlegt man, wie es wohl ist, wieder neu anzufangen. Wenn man auf ein völlig neues Umfeld, neue Kollegen, neue Kunden und komplett neue Aufgaben trifft. Wie sich ein geregelteres Arbeitsumfeld und Arbeitszeiten auf den Tagesrythmus auswirken. Und wie es sich anfühlt, am Ende des Monats genau zu wissen, wie viel Geld man tatsächlich verdient hat (ohne auf Rückzahlungen 1,5 Jahre später warten zu müssen).

Obwohl ich kurze Zeit darüber nachdachte in eine gesichtslose Consulting-Firma zu wechseln und dort "fett Kohle" zu machen, war schnell klar: No way. Es geht einfach nicht. Ich kann mit Firmen nichts anfangen, die größer als ... eine Hand voll Mitarbeiter sind und wo man sich im schlimmsten Falle siezt.

Nach einigen (durchaus schmeichelhaften, weil potentiell lukrativen) Vorstellungsgesprächen war klar: Ich werde ein Socialist. Und diese Entscheidung hab ich seither keinen einzigen Tag bereut. Und ich kann getrost sagen, dass ich seit einem Jahr ein Leben im Luxus führe. Ihr fragt euch, warum? Ich erzähle es euch. Nur einige kleine Cherry picks. No big deal.

Produktives Arbeitsklima gepaart mit einem guten Team. In meinen bisherigen Firmen hatte ich entweder das eine, oder das andere. Nun fand ich beides vor. Sei es bei einem Spaßprojekt am Freitag Nachmittag, beim gemeinsamen Konferenz-Ausflug nach Berlin, beim gemeinsamen Brainstormen zu einem neuen Projekt oder beim gemeinsamen Rockband spielen. Wir lernen voneinander und ich habe das Gefühl, dass wir als Team so ziemlich jedes Projekt meistern können. Danke!

Leading Know-How. Ich habe bisher immer in Firmen gearbeitet, die "verdammt noch mal Ahnung haben, von dem, was sie tun". Es gibt nichts schlimmeres, als wenn die Chefitäten  und/oder Marketing Dinge verkaufen, von denen sie keine Ahnung haben. Boom! Die Socialisten wissen, wovon sie sprechen und das ist auch gut so. Danke!

Der richtige Mix. Es gibt Projekte, die dauern einige Wochen. Es gibt Projekte, die dauern wenige Tage. Es ist immer etwas dabei. Es gibt immer Abwechslung. Und das wichtigste? There is even more! Es ist auch sehr oft Zeit für eigene Dinge. Sei es Research oder Education. Beides ist explizit erlaubt und verlangt. Nicht wie in anderen Firmen üblich "nach der Arbeit" (=Freizeit). Auch im Büro, als Arbeitszeit. Ein spezielles Danke dafür, Michi!

Die richtige Aufgabe. Ich bin nun elf Jahre an der Web-Entwicklung dran. In dieser Zeit lernt man unglaublich viel (wenn man das möchte). Das Wissen ist vernetzt. Ich freue mich daher jedes mal wieder, wenn ich von Kollegen um Hilfe gebeten werde und zu fast allen Fragen Hilfestellungen liefern kann. Out of the box. Einfach so. Entweder instant oder innerhalb weniger Minuten. Was vielleicht für den ein oder anderen Kollegen frustrierend erscheint, verdeutlicht mir nur noch mehr, dass ich die letzten Jahre alles richtig gemacht habe. Dass die vielen privaten Projekte nicht umsonst waren. Es macht mir unglaublich Spaß mit Personen Probleme zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden. Danke!

Work-Life-Balance. Viele reden davon, ich habe sie. Nämlich eine ausgeglichene. Überstunden sind bei mir freiwillig und rein aus Lust/Interesse an der Materie. Und ich hoffe, das bleibt noch lange Zeit so :) Ich habe 2011 das erste mal seit vielen Monaten wieder entspannt Urlaub machen können. Habe neben der Arbeit vermehrt Sport gemacht, konnte nach 1,5 Jahren eine Wohnung finden und umziehen. War durch die vielen Sicherheiten (geregeltes Einkommen, geregelte Arbeitszeiten, mögliches Abschalten nach der Arbeit) nur 2 Tage im ganzen Jahr krank. Alles das zählt viel mehr als das oben angesprochene "fett Kohle machen". Danke!

Eine unerwartete Beförderung. All das bereits erwähnte brachte mich rund um Weihnachten/Silvester zum Gedanken: Ich war noch nie so glücklich nach einem Jahr in einer Firma. Das es noch besser geht, zeigt die vor kurzem erfolgte Beförderung zum CTO, deren inoffizieller Ursprung bereits in den Dezember zurück datiert. Das Offiziell-Machen zum 1. Februar, bzw. die damit verbundene Gehaltserhöhung, macht nicht nur mich, sondern auch meine Eltern stolz :) Es ist der Lohn für ein aufregendes Jahr.

Zusammengefasst: Das Jahr war super awesome,  mega disruptive und giga buzzig! Ich bin gespannt, was in den nächsten 365 Tagen auf uns zukommt. Ich freue mich drauf.

Danke an Mela, an Michi und an alle Freunde, die mich zur Entscheidung, den Job zu wechseln, ermutigt haben.