Mediencamp Wien 2010 & Buzzattack 2010: Ein Vergleich

Das diesjährige Mediencamp Wien ist bereits ein paar Wochen alt. Dennoch habe ich noch nicht die Zeit bzw. Muse gefunden darüber zu schreiben. Da ich heute ebenfalls Teilnehmer der Buzzattack 2010 sein durfte, möchte ich die Chance wahrnehmen und gleich alles in einem Aufwasch erledigen. Hier nun also meine Gedanken bzw. das Resümee zu den beiden Veranstaltungen.

Mediencamp Wien 2010

Ich muss gestehen, das mcvie war mein erstes Barcamp. Hätte Michael nicht zufällig davon erzählt, wäre auch dieses Barcamp spurlos an mir vorbeigegangen. Als ich mich darüber informierte war jedoch klar: Da muss ich auch mal hin. Michael meinte: „Barcamps sind auch nicht mehr so wie früher. Da muss gar nicht jeder was präsentieren.“ Lustig, dachte ich damals. Diese Regel hat sich auch nicht lang gehalten. Aber klar: Je erfolgreicher ein Format, desto mehr Leute, desto weniger Möglichkeiten zum Präsentieren gibt es.

Alles ist locker und chaotisch. Mit chaotisch meine ich, dass die Sessionplanung tatsächlich erst vor Ort passiert und es nach der offiziellen Vorstellungsrunde, in der jeder seinen Namen und drei seiner Hash-Tags verrät, alles wild herumschreit und geplant wird, wann wer spricht. Ich war skeptisch, ob das tatsächlich funktionieren würde, weil ich die Zurückhaltung zur Partizipation indirekt angesprochener Personen aus Schul/FH-Zeiten kenne. Sie existiert defacto nicht. Anders bei Barcamps. Es haben sich tatsächlich innerhalb weniger Minuten alle Slots gefüllt und es konnte los gehen. Die einzigen beiden negativen Aspekte hierbei sind: a) Vorstellung und Planung der Slots ist zwar wichtig und richtig, fühlt sich aber ein wenig wie die Kandidatenfindung von Schlag den Raab an. Das eigentliche, der Main-Event selbst, wird verzögert und es wird schnell fad. b) Es fehlt ein wenig die ausgedruckte Agenda, wer wo wann was präsentiert. Ich finde, da hat ein ausgedruckter Zettel Papier immer noch den größten Charme.

Bei den ersten Vorträgen war ich verwirrt. Muss ich offen und ehrlich zugeben. Alle haben dermaßen intensiv mit ihren iPads, iPhones und sonstigen smarten Devices gespielt, dass quasi niemand wirklich zu 100% dem Vortragenden zugehört hat. Mein zentraler Gedanke war: "Wenn das heutzutage in den Schulen genauso ist: Hawedere!“. Da ich selbst nur ein altmodisches 0815-Handy besitze, kann ich zwar prinzipiell twitter(n/ verfolgen), aber den ganzen Buzz rund um das Barcamp zu verfolgen würde  dank des kleinen Bildschirms und der langen Ladezeiten zu viel meiner Aufmerksamkeit in Kauf nehmen. Überhaupt bin ich da eher old school: Ich fokussiere mich gerne auf den Redner - Ablenkungen kommen für mich nur während den Pausen in Frage. So sehr vernetzt muss ich dann auch nicht sein.

Anyway: Die Vorträge waren wirklich spannend. In Erinnerung geblieben ist mir der Votrag von Gerald Czech (kein Wunder, wenn man selbst drei Jahre beim roten Kreuz dabei war), sowie die Diskussionen zu unibrennt und zum Thema Informations-Verzicht-Kompetenz. Vor allem die Diskussionsrunden selbst waren ein völlig neues Erlebnis für mich, da alle Personen zu 100% bei der Sache waren und sich aktiv beteiligt haben. Jeder FH-Vortragende würde sein Glück nicht fassen können und von „Ostern + Weihnachten in einem“ halluzinieren.

Alles in allem: Ich war vom Mediencamp positiv überrascht, sehr angetan und bin froh, auch endlich mal bei einem Barcamp dabei gewesen zu sein. Es hat Lust auf mehr gemacht. Location top, Organisation top, Vorträge top.

Eins noch: Die Sache mit dem Barcamp T-Shirt verstehe ich bis heute nicht, da man das T-Shirt ja nicht direkt zum Barcamp anziehen kann (bequem zum tragen sind sie übrigens dennoch!).  Aber das ist nur ein kleines Detail am Rande.

Buzzattack 2010

Gleich vorweg: Karten für die Buzzattack 2010 haben Geld gekostet. Hätte ich also nicht beim Gewinnspiel von The Gap gewonnen (danke noch mal recht herzlich), hätte ich wohl nicht an der Konferenz teilgenommen. Ähnlich wie bei der Schnitzelconf sehe ich zwar die Notwendigkeit einer Finanzierung solcher Events in Form von Eintrittspreisen, ich bin dann jedoch dennoch nicht bereit über 200 EUR für eine eintägige Konferenz aus der Privatkassa zu bezahlen. Natürlich: Man lernt viel, sei es Inhalte oder Personen, aber Inhalte über Internet-Themen sind selten exklusiv auf Konferenzen zu finden, noch bin ich ein wirklicher Networker, der gezielt Fremde Menschen ansprechen würde.

Im Gegensatz zum Mediencamp war die Buzzattack also eine „klassische Konferenz“. Profesionelle Speaker wurden eingeladen oder live übers Netz zugeschalten, es gab eine richtige Agenda und alles erschien einfach durchgeplanter als ein Barcamp. Die sehr sympathische Anmoderation von Sabine Hofmann von ambuzzador war fast schon ein wenig untypisch für klassische Konferenzen. So ist es nun mal: Internet, Buzz-Marketing und Social Media sind einfach nicht alt und trocken. Da kann man schon ein wenig lockerer sein. Das gefällt! (Meine letzte klassische Konferenz war die SharePoint Konferenz in Wien vor einigen Jahren - trockener und unlustiger geht es kaum).

Besser als beim Barcamp war für mich die Dichte an Sessions: Es kamen deutlich mehr Redner zu Wort als dies beim Mediencamp der Fall war. So hat man wirklich einem breiten Spektrum an Themen (die auch untereinander thematisch gut gereiht waren) lauschen können. Das Geld für die Tickets waren die Speaker alle mal Wert. Sogar Facebook, vertreten durch Scott Woods, das zum ersten mal offiziell in Österreich zu Wort kam, hat einen sympathischen Eindruck hinterlassen. Typisch amerikanischer Präsentationsstil eben. (Randnotiz: Fast peinlich hat jedoch der Mix aus profesionellen Marketing-Folien und selbst händisch zusammengebastelten 5-Minuten-Diagrammen mit bunten Farben angemutet.) Philippes Projekt, DB Services, Kodak: Allesamt eigentlich Produkt-/Brand-präsentationen. Dennoch hatte man nicht den Eindruck, dass es in erster Linie um eine Produktpräsentation geht, sondern der Fokus tatsächlich auf der Vermittlung von Social Media Best Practices liegt (Hier sei der News-Werbevortrag vom Mediencamp in Relation gesetzt, der bei allen Beteiligten böse aufgestoßen ist.).

Alles in allem: Ein interessanter Tag, ich bin froh dort gewesen zu sein. Organisation top, Vorträge top, aber die Location (am Kahlenberg) ist deutlich verbesserungswürdig. Ich rede hier gar nicht vom schlechten WLAN bzw. fehlendem Handynetzempfang, sondern eher von der Tatsache, dass die Anreise doch recht unpraktisch ist.

Eins noch: Warum alle zu Mittag beim Essen waren und nicht die Vorteile der Location genutzt haben und eine Runde am herbstlichen Kahlenberg spazieren gegangen sind, erschließt sich mir nicht. Ich habs getan. Aber das ist nur ein kleines Detail am Rande.

Resümee

Zwei Konferenzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, obwohl ähnliche Themen besprochen werden. Dennoch können beide Konferenzen überzeugen und machen Lust auf mehr.  Interessant sind für mich zwei Tatsachen:

a) Perfekt geplant und organisiert waren beide Veranstaltungen von Frauenteams fast ausschließlich von Frauen. Obwohl es immer heißt, dass es wenig Frauen in der IT gibt, beweisen beide Konferenzen genau das Gegenteil. Sehr viele Teilnehmerinnen und engagierte Organisatorinnen, denen das Thema Social Media am Herzen liegt. Großartig!

b) Die Klientel der beiden Veranstaltungen ist sehr verschieden. Obwohl man bei Social Media von einer Demokratisierung spricht und alle Beteiligten auf das gleiche Niveau stellt, sprechen die TeilnehmerInnen-Statistiken vom Mediencamp und buzzattack eine andere Sprache. Beim Durchforsten der Teilnehmerlisten so manches Mediencamps habe ich oft das Gefühl, dass das Who is who der österreichischen Web-Szene sowieso immer dabei ist, egal welches Thema das jeweilige Barcamp anspricht. Es geht wohl ein wenig ums sehen und gesehen werden. Vielleicht auch um die T-Shirts :-). Bei der buzzattack habe ich heute vielleicht 5 Personen gesehen, die ebenfalls beim Mediencamp dabei waren. Sonst komplett andere Personen. Natürlich, die behandelnden Themen sind nicht die gleichen, aber auffällig ist das schon, dass das Gros der österreichischen Net-Addicts fehlt, wenn zur Kasse geben wird. Oder, wie seht ihr das? Irre ich mich?

Update: Eine Kleinigkeit ist mir noch eingefallen: Warum der offizielle Hash-Tag buzzattack10 war, versteh ich auch nicht. Hätte buzzattack alleine nicht gereicht? Schade, dass manche den einen, und manche den anderen Hashtag verwendet haben.